Beschau­lich wie Dat­teln, die nörd­lichste Stadt des Ruhr­ge­bietes nun mal ist, ging auch der Fuß­ball größ­ten­teils am eher länd­lich als indus­triell geprägten Ort vorbei. Es gab natür­lich auch hier meh­rere Fuß­ball­ver­eine, den großen Durch­bruch schaffte aber keiner von ihnen. Die Aus­nahme bil­dete der SV Ger­mania Dat­teln, der im Mai 1961 weit über die Stadt­grenzen hinaus bekannt wurde.

Seinen Anfang nahm die Geschichte des Ver­eins am 10. August 1916, als sich meh­rere junge Sportler im Alter von 18 und 19 Jahren zusammen fanden und den SV Ger­mania Dat­teln 1916 e.V. aus der Taufe hoben. Manche der Grün­dungs­mit­glieder waren noch bis zu 50 Jahre später im Verein tätig.

Pünkt­lich zum 40-jäh­rigen Ver­eins­ju­bi­läum hatte die Ger­mania 1956 den Sprung in die Ver­bands­liga geschafft, der damals dritt­höchsten Spiel­klasse Deutsch­lands. Finan­ziell wurde der Verein von der Zeche Emscher-Lippe unter­stützt und konnte so die Klasse halten. In der Saison 1959/60 sorgte die Mann­schaft dann sogar im DFB-Pokal für Furore als man als ein­zige Ama­teur­mann­schaft bis ins Ach­tel­fi­nale vor­drang und erst im Wie­der­ho­lungs­spiel gegen den spä­teren Sieger Borussia Mön­chen­glad­bach den Kür­zeren zog. Im Hin­spiel hatte es vor 5.000 Zuschauern im aus­ver­kauften Ost­ring­sta­dion noch zu einem 2:2‑Unentschieden gereicht. Johannes ​Boy“ Skoda hatte hier beide Treffer für die Ger­manen erzielt.

Unter dem Erken­sch­wi­cker Trainer Julius ​Jule“ Ludorf, zu aktiven Zeiten einem der besten Nach­kriegs­spieler Deutsch­lands, gelang Ger­mania Dat­teln dann der bisher größte Wurf der Ver­eins­ge­schichte: Der Titel des west­fä­li­schen Ama­teur­meis­ters. Durch ihren Sieg in der Ver­bands­liga West­falen, Gruppe 1 standen die Kanal­städter im End­spiel um die west­fä­li­sche Ama­teur­meis­ter­schaft gegen die Sport­freunde Siegen. Das Hin­spiel im Sie­gener Leim­bach­sta­dion verlor die Ger­mania mit 0:3, im Rück­spiel wurden die Sie­gener vor hei­mi­schen Publikum dann aber mit 5:0 vom Platz gefegt. Das dadurch not­wendig gewor­dene Ent­schei­dungs­spiel wurde im Hagener Ischeland-Sta­dion aus­ge­tragen. Hier konnte sich die vom über­ra­genden Kapitän Egon Net­hövel, der es später bis in die deut­sche Ama­teur-Natio­nal­mann­schaft schaffte, geführte Mann­schaft ein wei­teres mal durch­setzen und gewann mit 2:0. Aber­mals erwies sich Johannes ​Boy“ Skoda als treff­si­cherer Goal­getter und schoss beide Tore. Zwar gingen die anschlie­ßenden Par­tien um die West­deut­sche Meis­ter­schaft ver­loren, nichts­des­to­trotz waren die Dat­telner mehr als stolz auf ​ihre“ Ger­mania.

Maß­geb­li­chen Anteil am Titel hatte auch noch Karl-Heinz ​Kalle“ Fechner, der 20 der ins­ge­samt 69 Dat­telner Tore schoss und Tor­schüt­zen­könig der Gruppe 1 wurde. Als seinem Team­kol­legen und Mann­schafts­ka­pitän Egon Net­hövel der Lor­beer­kranz als Zei­chen des West­fa­len­meis­ters vom West­fä­li­schen Fuß­ball­ver­band umge­hängt wurde war die erfolg­reichste Saison der Ver­eins­ge­schichte per­fekt. In der Abschluss­ta­belle der Ver­bands­liga hatte man sogar den heu­tigen Bun­des­li­gisten DSC Arminia Bie­le­feld hinter sich gelassen und auf den zweiten Platz ver­wiesen.

Mit dem größten Erfolg der Ver­eins­ge­schichte begann jedoch auch ein Drama. Als West­fa­len­meister hatte Ger­mania Dat­teln die sport­liche Berech­ti­gung zum Auf­stieg in die 2.Liga West. Dies hätte aber bedeutet, dass die Ger­mania vom Ama­teur- in den Ver­trags­spieler-Fuß­ball gewech­selt wäre. Hinter den Kulissen gab es dazu zwei Mei­nungen: Die einen plä­dierten für eine Wahr­neh­mung des Auf­stiegs­rechts und waren der Mei­nung, dass sich die Ger­mania durchaus im bezahlten Fuß­ball hätte behaupten können.

Das andere Lager befürch­tete, dass der Verein im bezahlten Fuß­ball seine Spieler nie hätte halten können und waren für einen Ver­zicht auf das Auf­stiegs­recht.

Doch letzen Endes fällte der dama­lige Vor­sit­zende Hugo Lau­pichler die Ent­schei­dung im Allein­gang und zog den Lizenz-Antrag zurück, Ger­mania Dat­teln blieb in der Ver­bands­liga und damit im Ama­teur­fuß­ball. In der darauf fol­genden Saison 1961/62 spielte die Mann­schaft dann aber­mals um den Titel in der Ver­bands­liga mit und wurde mit einem Punkt Rück­stand von Arminia Bie­le­feld nur sehr knapp geschlagen. Doch Dat­teln hatte seinen Zenit erreicht, die Mann­schaft fiel aus­ein­ander, und so folgte 1963/64 der Abstieg aus der Ver­bands­liga, 1966/67 folgte gar der Sturz in die Bezirks­liga.

Anfang des neuen Jahr­tau­sends sollte der Verein mit viel Geld wie­der­be­lebt werden, 2000/01 stieg man wieder in die Lan­des­liga auf. Doch es folgte schnell die Ernüch­te­rung: Steu­er­nach­zah­lungen in Höhe von 250.000 DM standen ins Haus, der Verein stellte im November 2001 einen Insol­venz­an­trag und wurde am 14. April 2002 end­gültig auf­ge­löst.

Doch schon fast einen Monat vorher, am 15. März 2002, wurde von einigen Ger­manen, ange­führt von Adolf Linn, seit über 50 Jahren im Verein, mit den SF Ger­mania Dat­teln 2002 ein Nach­fol­ge­verein gegründet und ein Neu­an­fang in der Kreis­liga C gewagt. Mitt­ler­weile hat sich die Erste Mann­schaft wieder in die Kreis­liga A hoch­ge­kämpft und gilt als Mit­fa­vorit auf den Auf­stieg in die Bezirks­liga.