Es ist nicht bekannt, wie gut Albert Streit mit latei­ni­schen Rede­wen­dungen und deut­schem Recht ver­traut ist, auch seine Kennt­nisse über Franz Josef Strauß sind nicht ein­deutig zu bestimmen. »Pacta sunt ser­vanda«, for­derte der ehe­ma­lige CSU-Vor­sit­zende, nachdem die zuvor von ihm hart bekämpften Ost­ver­träge rati­fi­ziert worden waren. Der Schalker Profi Streit kann nicht nur auf einen pactum ver­weisen, eine form­lose Absprache, son­dern gar auf einen schrift­li­chen con­tractus. Und so einer ist – da würde selbst die Links­partei Franz Josef Strauß recht geben – von beiden Seiten ein­zu­halten.

Schalke 04 hat seinen Profi sus­pen­diert, der neue Trainer und Manager Felix Magath hätte den unge­liebten Akteur am liebsten von der Gehalts­liste gestri­chen. »Ich ver­lange von Spie­lern meiner Mann­schaft, dass sie stetig an sich arbeiten und an ihre Grenzen gehen. Diesen Ein­druck hatte ich bei Albert Streit nicht«, sagt Magath und ver­weist damit indi­rekt auf den Para­gra­phen 242 des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches, der vor­schreibt: »Der Schuldner ist ver­pflichtet, die Leis­tung so zu bewirken, wie Treu und Glauben mit Rück­sicht auf die Ver­kehrs­sitte es erfor­dern.« Ergo: Streit müsse ehr­geizig an seiner Beru­fung in die Stammelf arbeiten, sonst halte er sich nicht an den Ver­trag.

Flo­rida-Albert

Streit dagegen kün­digte schon vor Monaten an: »Ich habe hier den besten Ver­trag meines Lebens unter­schrieben und bekomme noch drei Jahre gutes Geld.« Im Januar 2008 wech­selte Streit von Frank­furt zu Schalke 04 und unter­schrieb dort einen Ver­trag bis Juni 2012, der mit unge­fähr 2,5 Mil­lionen Euro pro Saison ver­gütet wird. Natür­lich könnte man Streit aus sport­li­cher Sicht vor­werfen, sich bei Schalke 04 nicht durch­beißen zu wollen – oder bei zu geringer Chance auf Ein­satz­zeiten sein Glück bei einem anderen Verein zu suchen.

Den­noch ist paradox, wie die Fuß­ball-Ver­eine manchmal mit Profis umgehen. Bei den hoch­klas­sigen, jedoch wech­sel­wil­ligen Spie­lern pochen sie all­zu­gerne auf die Ein­hal­tung der Ver­träge. Franck Ribéry etwa ver­suchte wochen­lang, sich zu einem Wechsel zu Real Madrid zu reden. Er brauche mehr Spaß an der Säbener Straße, erklärte der Filou kürz­lich, wobei er offen­ließ, ob er nur Lukas Podolski ver­misst oder eine Hüpf­burg neben dem Trai­nings­platz haben möchte.

Die Ver­ant­wort­li­chen ver­wiesen zu Recht auf einen bis Juni 2011 gül­tigen Ver­trag und über­legen gar, gegen den Para­gra­phen 17 der Trans­fer­sta­tuten des Welt­ver­bandes Fifa vor­zu­gehen, der das Ver­trags­ver­hältnis eines Profi-Fuß­bal­lers im Falle eines inter­na­tio­nalen Wech­sels vor Ablauf seines aktu­ellen Kon­traktes bei einem Klub regelt. Dem­nach kann ein Spieler ein Jahr vor Ende seines Ver­trags seinen Klub für eine nur geringe Ent­schä­di­gung ver­lassen. »In der jetz­tigen Form ist der Para­graph ein Witz«, sagte Manager Uli Hoeneß kürz­lich.

Dabei hätte der FC Bayern gerne selbst Spieler abge­geben: Chris­tian Lell, Andreas Ottl, Jose Ernesto Sosa und Luca Toni etwa. Beim VfB Stutt­gart standen Yil­diray Bas­türk, Jan Simak und Ricardo Osorio auf der Streich­liste. Bei Werder Bremen ist Jurica Vranjes der unge­liebte Bank­wärmer, in Wolfs­burg sind das Vlad Mun­teanu, Daniel Baier und Alex­ander Laas. Da geraten der bestehende Ver­trag und seine Lauf­zeit plötz­lich in den Hin­ter­grund. Die Ver­eine haben die nun unge­liebten Spieler mit lang­fris­tigen und gut­do­tierten Ver­trägen aus­ge­stattet. Und des­halb gilt nicht nur für Spieler wie Ribéry, son­dern auch für Ver­eine wie Schalke: Pacta sunt ser­vanda.