Mason Greenwood grinst brav. Er posiert mit jungen Getafe-Fans für Fotos und signiert geduldig alles, was sie ihm vor den Filzstift halten. Mit „The Mason Mania“ hat der spanische Erstligist das Video auf seinem englischsprachigen X‑Kanal überschrieben, dahinter zwei Herz-Emojis. Der Clip zeigt immer wieder kleinere Menschentrauben, die sich um den Angreifer bilden – im Vorort von Madrid reicht das schon, um von einer Manie zu reden. Über zehn Millionen Aufrufe hat der Beitrag. Wer durch die weiteren Posts zum Greenwood-Transfer scrollt, bekommt den Eindruck, dass Getafe einen Superstar verpflichtet hat. Doch spätestens beim Blick in die Kommentarspalten bekommen die Jubelbilder einen Beigeschmack. Dort wird der Transfer wegen der Vergangenheit des 21-jährigen Engländers kritisiert. Einer Vergangenheit, die Greenwood eine 19 Monate währende Suspendierung einbrachte und ihn eine vielversprechende Karriere bei seinem Jugendverein Manchester United kostete.
Wegen versuchter Vergewaltigung angeklagt
Ein kurzer Rückblick: Im Januar 2022 klagte die Staatsanwaltschaft Crown Prosecution Service Mason Greenwood wegen versuchter Vergewaltigung und Körperverletzung an. Seine Freundin hatte Fotos von Verletzungen und blauen Flecken veröffentlicht, die ihr der Fußballprofi zugefügt haben soll. Auch Tonaufnahmen, auf denen Greenwood den Anschein macht, sie zu sexuellen Handlungen zu zwingen, veröffentlichte sie auf Instagram. Anfang des Jahres ließ die Staatsanwaltschaft die Klage fallen. Der Grund: Wichtige Zeugen zogen sich zurück und neues Material lag vor. Eine Verurteilung sei unter diesen Umständen nicht realistisch.
Warum sich Manchester United gegen einen Greenwood-Verbleib entschied
Trotz des Endes der behördlichen Ermittlungen protestierten Fans immer wieder gegen einen Verbleib des Spielers. Zuletzt rollten United-Supporterinnen beim ersten Heimspiel der Saison ein Banner mit der Aufschrift aus: „Weibliche Fans fordern: Keine Greenwood-Rückkehr! Beendet Gewalt gegen Frauen.“ Manchester United nahm sich lange Zeit, um den Fall intern zu bewerten. In einem Statement verkündete der Verein Ende August, dass die online veröffentlichten Beweise ein unvollständiges Bild zeichnen würden. Greenwood habe sich zwar falsch verhalten, aber die ihm vorgeworfenen Taten nicht begangen, teilte der Klub mit. Aufgrund des öffentlichen Gegenwinds hätten sich Manchester United und Greenwood dennoch darauf geeinigt, getrennte Wege zu gehen.
Es dürfte jedoch fraglich sein, ob der Protest aus der Fanszene die Entscheidung in irgendeiner Form beeinflusst hat. Laut Sky soll ein zentraler Punkt der vereinsinternen Ermittlungen gewesen sein, ob Sponsoren es akzeptieren würden, wenn Greenwood wieder ihre Logos trägt. Viele Partner hätten Klauseln in den Verträgen, die ihnen eine direkte Kündigung erlauben, wenn der Verein ihrem Markenimage schadet. Zudem sucht Uniteds Besitzer, die US-amerikanische Familie Glazer, gerade nach neuen Eigentümern. Abwandernde Sponsoren und ein schlechter Ruf drücken bei potenziellen Verhandlungen den Verkaufspreis.