HIN­WEIS: Mit­glieder von Riot0231 wurden vor wenigen Tagen auf der Fahrt nach Darm­stadt fest­ge­halten. Bei ihnen wurden Schlag­werk­zeuge, Pyro und Drogen gefunden. Wir haben uns die neue Hool-Gruppe in Dort­mund und ihre Aus­ein­an­der­set­zung in der eigenen Fan­szene im Oktober ange­sehen. Lest hier die Repor­tage aus Heft #180.

Ein junger BVB-Fan sitzt in einem Café in der Dort­munder Innen­stadt. Er lässt die Hand­flä­chen auf den Tisch fallen und schüt­telt den Kopf. Aus jedem seiner Sätze spricht Resi­gna­tion: ​Es macht keinen Spaß mehr, zum Fuß­ball zu fahren. Jede Fahrt wird unan­ge­nehm. Diese Gruppe sprengt alles.“ Der Mann gehört der orga­ni­sierten Fan­szene von Borussia Dort­mund an. Viel mehr will er von seiner Iden­tität nicht preis­geben – wie jeder der unzäh­ligen Gesprächs­partner bei diesem Thema. Sie alle fürchten Rache­akte.

Borussia Dort­mund ist bekannt für die größte Steh­platz­tri­büne Europas, für die atem­be­rau­bende Atmo­sphäre im West­fa­len­sta­dion. Doch die ​Gelbe Wand“ ist in Angst ver­setzt. BVB-Fans fahren der­zeit mit einem flauen Gefühl zu Aus­wärts­spielen, nicht wenige wurden ein­ge­schüch­tert, bedroht, geschlagen – und zwar von anderen Dort­mun­dern. Seit gut einem Jahr tritt eine neue Grup­pie­rung in Dort­mund auf, die die gesamte Fan­szene durch beson­ders gewalt­tä­tige Aktionen auf­ge­schreckt hat.

Ihre Mit­glieder ver­brei­teten auf T‑Shirts und Graf­fitis den Schriftzug ​Riot 0231“ (die Zah­len­folge steht für die Tele­fon­vor­wahl von Dort­mund), auf ihrem Banner steht in großen Buch­staben ​Ultras“, daneben ein sti­li­siertes ​h“ als Hoo­li­gan­symbol. Die Ver­ei­ni­gung wird wahl­weise die ​Neue Gruppe“ oder ​Die Riots“ genannt. Die Ent­wick­lung in Dort­mund lässt sich auch in anderen Städten Deutsch­lands nach­ver­folgen. Die deut­sche Ultra­kultur steht vor einer Zäsur.

Rohe Gewalt, gezielte Ernied­ri­gung 

In ​Riot 0231“ haben sich ehe­ma­lige Mit­glieder bestehender BVB-Ultra­gruppen zusam­men­ge­schlossen, die vor allem die Lust auf Gewalt eint. Sie sind zwi­schen 20 und 30 Jahre alt, viele von ihnen aus­ge­bil­dete Kampf­sportler, fast alle aus­trai­niert und den anderen Ultras phy­sisch über­legen. Die Union der Schläger soll inner­halb des ver­gan­genen Jahres von 30 auf unge­fähr 60 Mit­glieder gewachsen sein. Dabei ist sie immer wieder durch ihr bru­tales Vor­gehen auf­ge­fallen.

Nur einige Bei­spiele: Im März über­fielen Mit­glieder der Gruppe ein Auto mit Mainzer Fans, schlugen auf diese ein und demo­lierten den Wagen. Die Opfer zeigten die Vor­fälle bei der Polizei an, wenig später klin­gelte bei Mainzer Ultras das Telefon. Die Anrufer drohten mit ​Haus­be­su­chen“ in Mainz, kurze Zeit später wurde die Anzeige zurück­ge­zogen. Die Staats­an­walt­schaft ermit­telt wegen des Tat­vor­wurfs der räu­be­ri­schen Erpres­sung.

Im Mai bremsten die Dort­munder einen Rei­sebus mit Schal­kern auf der A3 aus, in dem sich nicht nur Ultras befanden. Danach griffen sie die Schalker auf dem Rast­platz Ses­sen­hausen an. Zahl­reiche Schalker trugen Kno­chen­brüche davon, erzählen Beob­achter. Laut Polizei mussten zwei Schalker zur Behand­lung ins Kran­ken­haus.

Schalker sein heißt Pro­bleme kriegen“

Die Dort­munder Gruppe sucht nicht nur Schar­mützel unter Ultras, son­dern auch Gewalt gegen alle geg­ne­ri­schen Sta­di­ongänger. Sie prä­sen­tierte im Mai auf einem Trans­pa­rent im West­fa­len­sta­dion das Motto: ​Schalker sein heißt Pro­bleme kriegen.“ Sie will ihre Gegner nicht nur schlagen, son­dern ernied­rigen. In Essen trafen die Dort­munder auf Schalker Ultras und zwangen sie, ihre Auf­kleber auf der Stirn zu tragen. Genauso gingen sie gegen Ultras des FC Sion vor und ver­brei­teten die Auf­nahmen im Internet. In der Szene hält sich gar die Geschichte, dass sie einen Fan von Han­nover 96 in einer Art ​Gewahrsam“ über meh­rere Stunden durch die Stadt mit­schleiften.

Auch inner­halb der eigenen Fan­szene trat ​0231“ skru­pellos auf. Auf meh­reren Spruch­bän­dern griff die Grup­pie­rung den Fan­be­auf­tragten des Ver­eins an, unter anderem mit Sätzen wie ​Deine Zeit ist um.“ Unlieb­samen Fans schlugen sie ins Gesicht oder teilten ihnen mit: ​Wir kennen euch, wir führen Listen.“

Die Grup­pie­rung will vor allem ihren Macht­an­spruch inner­halb der Fan­szene deut­lich machen. So for­derte sie die Ultras von ​The Unity“ per SMS unmiss­ver­ständ­lich auf, einen Son­derzug im Mai zum Pokal­end­spiel in Berlin zu orga­ni­sieren. Dort selbst soll sie unter anderem die Kasse der Orga­ni­sa­toren an sich gerissen haben. Ein Mit­fahrer schil­derte auf der Platt­form Vice anonym, wie die Gruppe im Zug auf­trat: ​Dann stimmen einige von ihnen anti­se­mi­ti­sche und auch homo­phobe Lieder an. Immer wieder werden wei­tere Gesänge gegen Juden in Ver­bin­dung zum FC Schalke gesungen.“