Sein mar­kantes Lachen hat Ronald­inho bis heute nicht ver­loren. Die krampf­hafte Serio­sität auf dem Fuß­ball­platz konnte er früher schon umspielen. Er lachte bei gelun­genen Aktionen, sowieso bei Toren, glei­cher­maßen bei Stock­feh­lern, ver­ge­benen Chancen und frag­wür­digen Schieds­rich­ter­ent­schei­dungen. Nun ist ein Foto von ihm im para­gu­ay­ischen Gefängnis auf­ge­taucht. Es zeigt ihn lachend.

Als er ver­gan­genen Freitag in Hand­schellen von der Polizei abge­führt wurde, war das noch weit ent­fernt von Sur­fe­rat­ti­tüde, Loco Loco und hawai­ia­ni­schen Shaka-Zei­chen. Der Bra­si­lianer hatte gefälschte Aus­weis­pa­piere dabei und sitzt seither in einer Zelle in Para­guays Haupt­stadt Asun­ción ein. Wäh­rend sich die Situa­tion gerade zur Staats­af­färe zuspitzt, hat die Gefäng­nis­ver­wal­tung einen ganz anderen Plan mit ihrem pro­mi­nenten Gast.

Ein dummer August

Der Reihe nach: Begonnen hatte die Chose am Mitt­woch als Ronald­inho mit seinem Bruder am Flug­hafen in Para­guays Haupt­stadt Asun­ción fest­ge­nommen wurde. Sie hatten gefälschte Pässe dabei, wonach beide para­gu­ay­ische Staats­bürger seien. Zunächst wurden sie frei­ge­lassen, Freitag dann die Wende: Die Brüder kamen in Unter­su­chungs­haft, Samstag folgte die Anhö­rung, in der Staats­an­walt Osmar Legal wegen Flucht­ge­fahr eine vor­über­ge­hende Gewahrsam for­derte. Seitdem sitzt der Welt­meister von 2002 hinter Git­tern.

Ronald­inhos Ver­treter plä­dieren auf seine Unwis­sen­heit. Oder wie sein Anwalt Adolfo Marín der Tages­zei­tung ​Folha de S. Paulo“ sagte: ​Er ist ein dummer August. Er hat nicht kapiert, dass man ihm gefälschte Aus­weise gegeben hat.“

Seine Anwälte haben für heute eine erneute Anhö­rung erkämpft. Dort wollen sie in erster Linie errei­chen, dass er und sein inhaf­tierter Bruder aus der Zelle in eine Woh­nung in Asun­ción unter Haus­ar­rest über­führt werden.

Wenn sich Staats­mächte streiten

Para­guays Prä­si­dent Mario Abdo Benitez hatte indes am Montag im Gespräch mit dem Fern­seh­sender NPY in der Ronald­inho-Sache eine Auf­klä­rung ​ohne Rück­sicht auf Ver­luste“ gefor­dert. Gleich­zeitig sprach er davon, es sei schmerz­haft, ein Idol so zu sehen. Bra­si­liens Jus­tiz­mi­nister Sergio Moro hatte sich gar per­sön­lich beim para­gu­ay­ischen Innen­mi­nis­te­rium nach der Situa­tion Ronald­inhos erkun­digt, der als Freund von Prä­si­dent Jair Bol­so­naro gilt.

Und wer kennt die Situa­tion nicht, wenn sich zwei Staats­mächte um das Schicksal von einem der besten Fuß­baller aller Zeiten streiten? Da kann nur eins helfen: Joga Bonito hinter Knast­git­tern. Daher plant die Gefäng­nis­ver­wal­tung in diesem Augen­blick laut süd­ame­ri­ka­ni­schen Medien ein Futs­al­tur­nier.

Dass die Bekannt­gabe des Tur­niers wenige Tage nach Ronald­inhos Inhaf­tie­rung öffent­lich wurde, sei aber bloß ein Zufall. Es werde nicht ihm zu Liebe aus­ge­tragen, stellte die Gefäng­nis­lei­tung klar. Es soll bereits vor seiner Haft geplant gewesen sein und finde sowieso halb­jährig statt.

Und wer weiß, viel­leicht kann ein biss­chen Gepöhle ja tat­säch­lich etwas Bri­sanz aus der Affäre nehmen. Szenen wie in ​Mean Machine“, allein mit süd­ame­ri­ka­ni­schem Flair statt Vinnie Jones, gelten jeden­falls als vor­pro­gram­miert. Und sowieso: Laut Regel­werk geht ein Spiel im Futsal zwei Mal 20 Minuten. 40 Minuten Frei­heit für Ronald­inho und die 194 wei­teren Häft­linge.