Gleich der zweite Satz im offenen Brief des Fanprojekts Mönchengladbach an Max Eberl ergibt wenig Sinn: „Du wirst Deinem alten Spezi Marco zu Red Bull Leipzig folgen“, heißt es da. Für sich genommen wäre das korrekt. Sollte Max Eberl wirklich bald für RB Leipzig arbeiten – und danach sieht es ja aus -, dann gemeinsam mit dem dortigen Trainer Marco Rose. Nur: Als Ende August konkret von einer Einigung zwischen Eberl und Leipzig berichtet wurde, deren Abschluss nur noch an der Ablösesumme an Borussia Mönchengladbach hing, hieß Leipzigs Trainer noch Domenico Tedesco. Dass Tedescos Zeit schon im September enden und Marco Rose sein Nachfolger werden würde, war damals nicht absehbar.
Der FPMG Supporters Club, wie sich das Gladbacher Fanprojekt heute nennt, ist der Dachverband aller Gladbacher Fans und vertritt ihre Interessen nach außen. Er ist, so lässt es sich auf der Website nachlesen, „das Sprachrohr aller Borussia-Fans“. Der Vorstand des Fanprojekts hat sich am Dienstag in einem offenen Brief an Max Eberl gewendet. Bis Ende Januar war Eberl Gladbachs Sportdirektor, dann trat er aus gesundheitlichen Gründen und unter Tränen zurück. Er wolle sich eine Auszeit vom Fußball nehmen, hatte Eberl damals gesagt: „Die Person Max Eberl ist müde. Ich will mit Fußball gerade nichts zu tun haben.“ Diese Auszeit scheint nun zu Ende zu gehen, weil Max Eberl vor einem Engagement bei RB Leipzig steht. Dort ist seit einer Woche Marco Rose Cheftrainer.
Ausgerechnet zu Marco Rose
Ausgerechnet Rose. Der hatte in Gladbach, gelinde gesagt, kein allzu positives Bild hinterlassen, als er den Verein in Richtung Borussia Dortmund verlassen und seine letzte Saison mit den Gladbachern samt wochenlanger Abstiegssorgen nur auf Rang acht beendet hatte. Oder um es in den Worten des Fanprojekts zu sagen: „Was ist das für eine Moral, wenn sein falscher Ehrgeiz Dein mühsam aufgebautes Haus der neuen erfolgreichen Borussia wie ein Kartenhaus zusammenfallen lässt, Borussia sogar in den Abstiegskampf stürzt und Dich dann ja auch von hier wegtreibt?“
Mit Sicherheit hat der Vorstand des Fanprojekts hier einen Punkt. Rose und Gladbach gingen nicht im Guten auseinander, für Rose und Eberl gilt das gleiche. Mehrfach hatte der Sportdirektor seine Enttäuschung über den Wechsel des Trainers öffentlich geäußert. Und es ist auch absolut verständlich, dass nun das Fanprojekt enttäuscht ist. Eberl war das Gesicht der erfolgreichen Gladbacher Moderne, sein Rücktritt ein herber Schlag. Dazu Rose und selbstredend auch RB Leipzig. Dennoch sind diese Vorwürfe – wie eingangs erwähnt – nicht ganz stichhaltig. Max Eberl geht nicht wegen Marco Rose nach Leipzig, man könnte im Gegenteil sogar behaupten, dass er trotz des Trainers beim Brausekonzern anheuern möchte. Doch im Vergleich zu den Vorwürfen, die die Gladbacher Fans in dem Brief außerdem formulieren, ist das nur eine Kleinigkeit.
Fanprojekt zweifelt Eberls Ehrlichkeit an
Denn vor allem der übrige Teil des offenen Briefs hat es in sich. Sein Kern lässt sich mit einem Zitat zusammenfassen: „Wir glauben einfach nicht mehr, dass Du uns gegenüber am Ende Deiner Amtszeit bei Borussia aufrecht und ehrlich gegenüber aufgetreten bist.“ Eine heftige Unterstellung, vor allem in Verbindung mit einem zweiten zentralen Satz: „Der Öffentlichkeit dieses Bild von deiner Profifußball-Ermüdung zu vermitteln, während du gleichzeitig um deinen Abgang zu Red Bull feilschst, ist – wir können es nicht anders formulieren – schlicht und ergreifend schäbig und ein Schlag ins Gesicht eines jeden tatsächlich von Burnout betroffenen Menschen.“
Eberls Rücktritt hatte im Januar ein großes Medienecho ausgelöst, der Sportdirektor große Solidarität erfahren. Auch das „System Fußball“, das Eberl heftig kritisierte, und der Umgang mit psychischer Gesundheit im Sport wurden zumindest kurzzeitig wieder breit aufgerollt.