Aber ja, Homer Simpson, der spielt noch. Nach 25 Saisons ist er jedoch weit von seiner Bestform aus früheren Tagen entfernt. Wie die satten Spanier schleppt er sich inzwischen meist platt und ambitionslos durchs Vorabendprogramm. Die Anarchie und der subtile Witz der ersten Staffeln sind längst verflogen, vorbei die Zeiten, in denen die gelbe Familie am Establishment rüttelte und sogar vom humorlosen US-Präsidenten George Bush (dem Älteren) als schlechtes Vorbild für Amerikaner geadelt wurde.
Die neuen Folgen sind so Mainstream wie das Merchandisingprodukt, zu dem die Marke Simpsons geworden ist. Auch die Episode „You Don’t Have To Live Like A Referee“, die unlängst in den USA ausgestrahlt wurde, versprüht nicht den alten Zauber. Warum wir dennoch hier darüber schreiben? Weil die Geschichte während der WM in Brasilien spielt.
Neben den unvermeidlichen Brasilienklischees wird dabei wieder einmal der aus der Sicht der Football-Nation USA schräge kleine Bruder „Soccer“ durch den Kakao gezogen. Im Gegensatz zu früheren Episoden ist diesmal allerdings eine gewisse Detailkenntnis in Fußballfragen nicht abzustreiten. Die Macher nehmen mit Korruption und Schwalben zwei der größten Übel des Weltfußballs aufs Korn. So lässt sich „El divo“, der Star der Brasilianer (hat hier jemand Neymar gesagt?), unter dem Jubel der Fans schon beim Abklatschen mit den Teamkollegen theatralisch fallen.
Und wie kommt nun Homer aufs Feld? Er wird aufgrund einer Bestechungswelle im Weltverband, die Funktionäre und Schiedsrichter gleichermaßen erfasst, als Schiedsrichter für die WM rekrutiert, „wegen seiner Ehrlichkeit und seines völligen Desinteresses“. In Brasilien erweist sich Homer tatsächlich als eine Art neuer Collina, schlägt sämtliche Bestechungsversuche aus und lehnt sogar Schokoladenbowlingkugeln ab.
Gegen Ende wird es dann auch aus sportlicher Sicht interessant: Die Drehbuchautoren sahen nämlich das Duell Brasilien gegen Deutschland voraus – allerdings im Finale. Dort soll Homer die Gastgeber für eine Million Dollar gewinnen lassen. Im Spiel schwalbt sich „El divo“ dann auch auf den Boden des deutschen Strafraums, doch – Achtung: Spoiler! – Homer pfeift nicht. Deutschland siegt 2:0 und wird Weltmeister, der Reporter sagt: „Ich habe die Brasilianer noch nie so depressiv gesehen.“ Wenn das am Ende mehr oder weniger so zutrifft, sind tausend flache Gags und hundert langweilige Gastauftritte irgendwelcher US-Lokalprominenten seit der neunten Staffel vergessen.