Ungarn und die ganze Fußball-Welt trauern um Ferenc Puskas. Der ‚Fußball-Major´ hat am Freitag seinen langen Kampf gegen die Alzheimer-Krankheit verloren. Der Vize-Weltmeister von 1954 starb im Alter von 79 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung auf der Intensivstation des Kutvolgyi-Krankenhauses in Budapest.
Puskas war einer der größten Torjäger aller Zeiten, ein genialer Regisseur und unberechenbarer Dribbler. Die Karriere des ungarischen Fußball-Idols, dessen Familienname eigentlich Purczeld lautete, war geprägt von Titeln, Ehrungen und unzähligen Toren. Seine Statistik ist beeindruckend: In 84 Länderspielen für Ungarn erzielte Puskas 83 Tore, in 528 Erstligaspielen in Spanien und Ungarn war er 512-mal erfolgreich. Der einstige Major der ungarischen Armee war Kapitän jener ‚goldenen Mannschaft´, die in 32 Länderspielen und mehr als vier Jahren ungeschlagen geblieben war – bis zum 2:3 im legendären WM-Finale von Bern 1954 gegen Deutschland.
Tiefe Freundschaft zu Fritz Walter
Auch die damaligen Gegner trauern jetzt um Puskas. ‚Der beste Linksfuß der Welt ist tot, aber er wird uns immer in großartiger Erinnerung bleiben´, meinte Theo Zwanziger, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der den Verstorbenen als ‚eine der größten Persönlichkeiten des internationalen Fußballs´ würdigte. Fritz Walter, der am 17. Juni 2002 verstorbene Kapitän der deutschen Weltmeistermannschaft, hatte auf einer Laudatio zum 70. Geburtstag von Puskas 1997 gesagt: ‚Aus der distanzierten Bekanntschaft nach der WM ist im Laufe der Jahre eine tiefe Freundschaft gewachsen.´ Walters Bruder Ottmar meinte am Freitag: ‚Ich bin sehr traurig, weil wir über Jahre befreundet waren. Als wir Weltmeister geworden sind, hat er zugegeben, dass die bessere Mannschaft gewonnen hat. Das spricht für sein Fairplay, das er bis zu unserem letzten Treffen vor ein paar Jahren gezeigt hat.´ Und Horst Eckel bedauerte, ‚dass vom Finale von Bern jetzt nur noch fünf Spieler leben´. Für Joseph Blatter, Chef des Fußball-Weltverbandes FIFA, war Puskas ‚einer der besten Spieler,
die ich in meinem Leben gesehen habe´. Ungarns Premierminister Ferenc Gyurcsany meinte: ‚Der berühmteste Ungar des 20. Jahrhunderts ist tot. Ferenc Puskas ist gegangen, aber die Legende wird immer bei uns bleiben.´ Das Parlament unterbrach seine Sitzung für eine Schweigeminute. Die Beisetzung soll am 9. Dezember erfolgen.
Flucht in den Westen
Der einst schussgewaltige Halbstürmer mit der Rückennummer 10 hat Fußball-Geschichte geschrieben, nicht nur mit dem ungarischen Nationalteam, in dem er bereits mit 17 Jahren debütierte. Ein Jahr vorher schon spielte Puskas in der ersten Mannschaft von Kispest Budapest, das später in Honved umbenannt wurde. Bis zum Volksaufstand 1956 spielte er für seinen Heimatklub. Das damalige ungarische Wunderteam flüchtete mit Familien und zwei Autobussen in den Westen. Zunächst bekamen Puskas das Immigrantenleben und die anderthalbjährige Sperre nicht besonders gut. Der ohnehin robuste Ballzauberer wog plötzlich 81 Kilogramm.
Viele hatten den damals 30-Jährigen schon fast abgeschrieben, als sich schließlich Real Madrid für ihn interessierte. Dort begann die zweite Karriere des Ferenc Puskas. Nach sechs Meisterschaften in Ungarn wurde der Olympiasieger von 1952 auch fünfmal spanischer Titelträger mit den Königlichen. In seiner Heimat und in Spanien war er je viermal Torschützenkönig. Bei Real bildete er mit ‚General´ Alfredo di Stefano das so genannte Wunderduo. ‚Ich habe ihm gesagt: Du bist der General, ich bin der Soldat´, berichtete Puskas. An der Seite von ‚Don Alfredo´ schoss Puskas Tore am Fließband – allein vier beim 7:3 im Europapokalfinale 1960 in Glasgow gegen Eintracht Frankfurt, dem fünften Titelgewinn der ‚Königlichen´ in Serie. steuerte die übrigen drei Treffer bei. Inzwischen mit der spanischen Staatsbürgerschaft ausgestattet spielte er auch noch viermal in der Nationalmannschaft der Iberer, dreimal davon während der WM 1962 in
Chile.
Auf der Internetseite des Vereins drückte Real Madrid am Freitag ‚seinen Dank an jemanden, der viel für den Klub getan hat, seine Bewunderung für ein unerreichbares fußballerisches Talent und seinen Respekt für einen von Grund auf guten Menschen´ aus. Real-Ehrenpräsident Di Stefano meinte: ‚Ich habe einen Freund
verloren.´
Als Trainer durch die Welt
Mit 38 Jahren hängte Puskas seine Schuhe an den berühmten Nagel. Aus dem Superstar wurde ein Trainer-Weltenbummler. Spanien, USA, Kanada, Griechenland, Chile, Saudi-Arabien, Ägypten, Paraguay und Australien hießen seine Stationen. 1993 war Puskas vier Monate ungarischer Verbandskapitän, wie der Nationaltrainer dort genannt wird. Seinen größten Erfolg als Trainer feierte er bei Panathinaikos Athen mit dem Einzug ins Europacupfinale der Landesmeister 1971 (0:2 gegen Ajax Amsterdam).
Seit 1992 lebte Puskas wieder in Budapest. Nachträglich wurde er vom Major zum Oberst befördert. Als ballverliebter ‚Fußball-Major´ ist er den Fans in Erinnerung geblieben. Im Oktober 2005 wurden im englischen Chester 100 Utensilien versteigert, darunter der Goldene Schuh für den Torschützenkönig der WM 1954. Mit dem Erlös von 130.000 Euro wurde die medizinische Versorgung des schwer kranken Puskas gesichert.
In der Flimmerkiste www.11freunde.de/flimmerkiste findet Ihr zwei Filme zu Ferenc Puskas.
Die Stationen seiner Karriere könnt Ihr in unserer Bildergalerie nachvollziehen.