Dieser Text erscheint im Rahmen unserer Koope­ra­tion mit dem Tages­spiegel.

Der Traum vom Fuß­ball­profi, die aller­meisten träumen ewig. Nur ein Bruch­teil der talen­tierten Kinder und Jugend­li­chen schafft den Sprung in die Nach­wuchs­leis­tungs­zen­tren des deut­schen Fuß­balls. Und wie­derum nur rund ein Pro­zent dieser Spieler wird später Profi. Wird der Traum vom Fuß­ball­profi wahr, ist dies ver­gleichbar mit einem Lot­to­ge­winn. Denn Talent allein reicht nicht. Es braucht mehr.

Inso­fern kann man Pal Dardai, Trainer von Hertha BSC, und seinen drei Söhnen nur gra­tu­lieren. Marton Dardai ist nicht nur im Kader der Pro­fi­mann­schaft von Hertha, son­dern soll ein Stütz­pfeiler in der kom­menden Saison werden. Auch Palko Dardai wird, wie am Dienstag ver­meldet wurde, in dieser Spiel­zeit für Hertha auf­laufen. Und der 17 Jahre alte Bence Dardai spielte in Her­thas Vor­be­rei­tung mit­unter groß auf.

Haben die Dar­dais nun drei Mal im Lotto gewonnen oder hat Papa Pal die Kugeln ein biss­chen mani­pu­liert? Letz­teres würde den Dar­dais nicht gerecht. Fuß­ball spielen können sie alle.

Objek­tiver Umgang kaum mög­lich

Marton Dardai ist ein spiel­in­tel­li­genter Defen­siv­mann, auch wenn zuletzt seine Ein­satz­mi­nuten mit dem Enga­ge­ment seines Vaters beim jet­zigen Zweit­li­gisten kor­re­spon­dierten. Bei den Trai­nern Bruno Lab­badia und Sandro Schwarz war er häufig außen vor, als Pal Dardai erneut bei Hertha über­nahm, war er wieder Stamm­spieler. Palko Dardai kommt vom Fehervar FC, dem Tabel­len­zehnten der ersten unga­ri­schen Liga. Er ist im Mit­tel­feld auf vielen Posi­tionen ein­setzbar und zudem tor­ge­fähr­lich. Bence Dardai gilt als der talen­tier­teste der Dardai-Söhne. Große Klubs, so heißt es, wollen ihn ver­pflichten.

Nun kann man zu unter­schied­li­chen Ein­schät­zungen hin­sicht­lich des Poten­zials der Brüder kommen. Sicher ist: Wäre der Vater nicht so eine gewich­tige Figur beim kri­selnden Haupt­stadt-Klub, würden sie nicht alle für Hertha auf­laufen. Pal Dardai sagte einmal, dass es seine Söhne unter ihm schwerer hätten, in die Mann­schaft zu kommen als die anderen. Die Aus­sage zeigt, dass ihm ein objek­tiver Umgang mit seinen Spröss­lingen kaum mög­lich ist. Sie sollten es genauso schwer oder so leicht haben wie die anderen.

Pal Dardai kann viel falsch machen

Es ist schön, dass Pal Dardai sein Talent an seine Söhne wei­ter­ge­geben und ihnen Türen geöffnet hat. Dass sie nun alle bei Hertha bereit­stehen, ist ein Pro­blem. Sollte sich einer der Söhne eine Schwä­che­phase leisten und trotzdem auf­laufen, würden medial und ver­mut­lich auch team­in­tern Stimmen laut, die den Dar­dais Vet­tern­wirt­schaft unter­stellten.

Sel­biges wäre ohnehin der Fall, wenn alle drei in Her­thas Start­for­ma­tion auf­tauchten. Womög­lich hat die Vater-Söhne-Kon­stel­la­tion zur Folge, dass Papa Pal hier und da auf seine Söhne ver­zichtet, nur um dem vor­zu­beugen. Die Krux ist: Egal, wie er sich ent­scheidet, im Umgang mit seinen Söhnen kann Pal Dardai viel falsch machen und – im schlimmsten Fall – sogar den Fami­li­en­frieden gefährden. Und den aufs Spiel zu setzen, dafür lohnt nicht einmal der Pro­fi­fuß­ball.