Bill Foulkes

So wie einst sein Groß­vater beim Rugby die Gegen­spieler rüde zu Fall brachte, schnitt auch Bill Foulkes den geg­ne­ri­schen Stür­mern mit seiner scharfen Bein­schere den Weg zum Tor ab. Als ein Vor­stopper und Innen­ver­tei­diger der alten Schule genoss er es, den drib­bel­starken Angrei­fern das Leben schwer zu machen. In 688 Spielen war der robuste Abwehr­mann das wich­tigste Ele­ment einer sta­bilen Hin­ter­mann­schaft bei Man­chester United. Für Busby war er so gut wie uner­setz­lich – hin­gegen in der eng­li­schen Natio­nal­mann­schaft nie wirk­lich eine Alter­na­tive. Ein ein­ziges Län­der­spiel, 1954 gegen Nord­ir­land, durfte der Ver­tei­diger absol­vieren.

Nichts­des­to­trotz ver­traute man ihm in Old Traf­ford. Dieses Ver­trauen zahlte er spä­tes­tens mit dem wich­tigsten Treffer seiner Kar­riere zurück. Foulkes war es, der 1968 im Halb­fi­nale des Euro­pa­po­kals gegen Real Madrid die Reds ins End­spiel schoss. Nach einer maß­ge­schnei­derten Flanke von George Best schlenzte der Defen­siv­spe­zia­list kurz vor Schluss den Ball zum 3:4 ins Netz. Im Finale tri­um­phierte Man­chester bekann­ter­maßen gegen Ben­fica Lis­sabon. Für den inzwi­schen 36-jäh­rigen Foulkes sollte dieser Pokal-Erfolg viel mehr als ein wei­terer Titel in seiner Fuß­bal­ler­lauf­bahn sein. Der Sieg bedeu­tete für den ehe­ma­ligen Koh­le­berg­werk-Arbeiter end­lich Licht am Ende des Tun­nels. Als einer der Über­le­benden des Flug­zeug­un­glücks von Mün­chen, so Foulkes in einem Inter­view, habe ihm der Pokal-Gewinn über die Kata­strophe hinweg geholfen.


Alex Stepney

Es waren die Pranken von Big Al, die den Euro­pa­po­kal­sieg 1968 gegen Ben­fica fest­hielten. Der Keeper wehrte in den letzten Spiel­mi­nuten einen harten Schuss von Lis­sa­bons Edel­stürmer Eusebio ab und ret­tete die Red Devils mit dieser spek­ta­ku­lären Parade in die Ver­län­ge­rung. Spä­tes­tens nach diesem Spiel stellte sich Stepney, der Man­chester eine Tor­hüter-Rekord­ab­lö­se­summe von 55000 eng­li­schen Pfund gekostet hatte, als beste Inves­ti­tion seit Jahren heraus.

In der eng­li­schen Natio­nal­mann­schaft konnte sich der Goalie, der in 500 Spielen für Man­chester stolze 175 Mal eine weiße Weste behielt, aller­dings nie so richtig in Szene setzen. Mit Gordon Banks, Peter Bonetti, Gordon West und dem erfah­renen Ron Sprin­gett standen ihm vier sou­ve­räne Tor­hüter im Weg. Sieben Tage vor seinem legen­dären Spiel im Euro­pa­po­kal­fi­nale debü­tierte Stepney für Eng­land – und bei diesem Ein­satz im Freund­schafts­spiel gegen Schweden sollte es bleiben.

Ob die Nomi­nie­rung der Grund für seinen sagen­haften Auf­tritt eine Woche später war? Zumin­dest schien es so als hätte sie ihm Flügel ver­liehen.

Seamus Anthony Brennan

Nicht einmal zwei Wochen waren seit dem Unglück ver­gangen, da musste ManU gegen Shef­field im FA-Cup bestehen. Das ​team sheet“ im Pro­gramm­heft hatte elf Leer­stellen. Die Truppe bestand aus has­tigst Ver­pflich­teten und nach oben gespülten Nach­wuchs­kräften. Einer davon war der spä­tere Natio­nal­spieler Irlands Shay Brennan. Übri­gens der Erste auf eng­li­schem Ter­ri­to­rium Gebo­rene, wel­cher später für die grüne Insel auf­lief.

Von links außen kom­mend, ent­schied er das von unbe­schreib­li­chen Emo­tionen getra­gene Spiel (3:0‑Sieg) mit zwei Tref­fern fast im Allein­gang. Brennan war auch der Ein­zige jener Jüng­linge, der sich über die Jahre des Neu­auf­baus hinweg eta­blieren konnte. Seine posi­tio­nelle Meta­mor­phose ver­schlug ihn letzt­end­lich auf die rechte Abwehr­seite, von der aus er gefürch­tete Vor­stöße vollzog und somit der modernen Aus­le­gung des Außen­ver­tei­di­gers über 30 Jahre zuvor kam. Bis zu seinem Kar­rie­re­ende 1970 lief er in 355 Spielen aus­schließ­lich für ManU auf.

Pat Cre­rand

Das Team von Man­chester United war gespickt mit genialen Spie­lern wie George Best oder Bobby Charlton. Die Impulse setzte jedoch ein weniger bekannter Spieler. Pat Cre­rand galt als das Herz der Mann­schaft. Als Abräumer im Mit­tel­feld hielt der 16-malige schot­ti­sche Natio­nal­spieler den Krea­tiven den Rücken frei. Erst durch seine Staub­sauger-Arbeit in der Defen­sive und die schnellen, prä­zisen Pässen in die Spitze konnten Best und Co. im Angriff für Tore sorgen.

Paddy, der für seine Hart­nä­ckig­keit und sein uner­bitt­li­ches Zwei­kampf­ver­halten berüch­tigt war, wurde mit ManU 1965 und 1967 Meister und holte 1963 den eng­li­schen Pokal. Der Uefa-Cup-Sieg 1968 war sein letzter und größter Erfolg im Man­chester-Trikot. Trotz aller Abwehr­ar­beit konnte er immerhin 19 Tore in 401 Spielen für United erzielen.

Nobby Stiles

Im Spiel der Reds sollte Nor­bert ​Nobby“ Stiles vor dem eigenen Sech­zehner die Lücken schließen und der geg­ne­ri­schen Offen­siv­ab­tei­lung auf die Füße treten – sei es mit Absicht oder auf­grund seiner starken Kurz­sich­tig­keit. Als der neue Pro­totyp des immer popu­lärer wer­denden Vor­stop­pers, der als vor­ge­zo­gener Abwehr­spieler die Ver­bin­dung zwi­schen Ver­tei­di­gung und Mit­tel­feld dar­stellte, spielte Stiles am effek­tivsten. Durch ihn und seinen Mit­streiter Pat Cre­rand konnten die ManU-Genies Bobby Charlton und George Best glänzen. Stiles gewann die wich­tigen Bälle und lei­tete sie schnellst­mög­lich und pass­genau zu den tech­nisch beschla­ge­neren Spie­lern weiter.

Ein ums andere Mal wurde selbst Stiles vor dem geg­ne­ri­schen Tor gefähr­lich: Mit Hilfe von Kon­takt­linsen konnte er in seinen 397 Spiele für United immerhin 19 Treffer mar­kieren.

Tony Dunne

530 Mal lief Anthony Peter Dunne für Man­chester auf. Nur vier Spieler, Sir Bobby Charlton, Bill Foulkes, Ryan Giggs und Alex Stepney, streiften sich häu­figer das ManU-Trikot über. Der iri­sche Fuß­baller des Jahres 1969 erzielte in seinen drei­zehn Jahren bei United zwar nur zwei Tore, doch in geg­ne­ri­sche Waden biss er dafür umso öfter. 1960 wech­selte Dunne für 5000 Pfund vom iri­schen Klub Shel­bourne FC zu dem eng­li­schen Top­klub.

Ehe der kleine, wen­dige Links­ver­tei­diger als einer der Helden des Euro­pa­pokal-Finales ​68 gefeiert wurde, gewann er 1963 den FA Cup sowie 1965 und ​67 zwei eng­li­sche Meis­ter­schaften. Seinem Natio­nal­team konnte er in 33 Ein­sätzen leider nicht zu solch großen Erfolgen ver­helfen.

Brian Kidd

Seinen 19. Geburtstag wird Kidd wohl im Leben nicht ver­gessen. An diesem Tag sorgte er mit seinem Tor in der Ver­län­ge­rung des Euro­pa­pokal-Finales 1968 gegen Ben­fica Lis­sabon für die Vor­ent­schei­dung. Erst ein Jahr zuvor hatte der Stürmer im Trikot von Man­chester United debü­tiert. In seiner ersten Profi-Saison traf er 17 Mal ins Schwarze und galt von da an als einer der gefähr­lichsten Angreifer auf der Insel. In 264 Spielen machte Kidd 70 Buden für ManU.

Auch bei anderen eng­li­schen Top-Klubs sorgte der wuse­lige Angreifer für eine hohe Treffer-Quote. 1974 wech­selte der Voll­bluts­stürmer für 110 000 Pfund zu Arsenal London, wo er inner­halb von zwei Spiel­zeiten wei­tere 34 Tore erzielte. Bevor es ihn, als älteren Herren, in die NASL nach Ame­rika ver­schlug, knipste er noch für Man­chester City (1976−1979), Everton (1979−1980) und die Bolton Wan­de­rers (1980−1982).

George Best

I think I’ve found you a genius“, über­mit­telte Talent­späher Bob Bishop Trainer Matt Busby. George Best war damals zarte 15 Jahre jung. Nach anfäng­li­chem Heimweh und der Rück­kehr ins hei­mi­sche Bel­fast ging Best zwei Jahre später doch wieder nach Man­chester.

Seine Drib­bel­stärke, dazu ein gazel­len­schneller Antritt mit Ball und eine außer­or­dent­liche Kalt­schnäu­zig­keit vor dem Tor machten Best zu einem der besten Spieler über­haupt. In Nord­ir­land gras­siert das Wort­spiel: ​Mara­dona good; Pelé better; George Best.“ Im Finale 1968 sorgte er mit dem Best-typi­schen 2:1 für die Vor­ent­schei­dung in der Ver­län­ge­rung. Er umkurvte in unfass­barer Leich­tig­keit Gegen­spieler und Tor­hüter, um dann nur noch ein­schieben zu müssen.

Nach United folgte eine Odyssee über meh­rere Kon­ti­nente. Neben dem Platz zer­störte er sich als­bald selber. Am 3.Dezember 2005 erlag er einem Nie­ren­leiden. Über 100000 Men­schen nahmen an der Beer­di­gung in Bel­fast Teil.

Robert ​Bobby“ Charlton

Das Flug­zeug­un­glück über­lebt, baute Matt Busby um den kör­per­lich nahezu unver­sehrten Gen­tleman-Fuß­baller Bobby Charlton die neue Mann­schaft auf, deren Höhe­punkt der Sieg im Euro­pa­pokal der Lan­des­meister 1968 werden sollte. ​Es war eine Ver­pflich­tung für Man­chester United geworden, diesen Pokal zu gewinnen. Es war eine Fami­li­en­an­ge­le­gen­heit“, so Charlton.

Als eine der prä­genden Figuren ver­half er den ​Three Lions“ 1966 außerdem maß­geb­lich zum Welt­meis­ter­titel im eigenen Land. In 19 Jahren Man­chester United lief er bis 1973 nicht weniger als 754-mal für die ​Red Devils“ auf, erzielte dabei 247 Tore.

John Aston Jr.

Das ManU-Gen steckte ein­fach in der Familie. John Aston Sen., in Man­chester geboren, schloss sich bereits in der Jug­tend United an, stieg im Dezember 1939 zu den Profis auf, kam auf­grund der Kriegs­wirren aber erst im Sep­tember 1946, also fast sieben Jahre später, zu seinem Debüt gegen Chelsea.

Ganz im Gegen­satz zu seinem Vater, einem bein­harten Ver­tei­diger, fand John Aston Jr. als Stürmer in den vor­deren Gefilden des Platzes sein Haupt­be­tä­ti­gungs­feld. Er durch­lief eben­falls die schon damals überaus fort­schritt­liche Jugend­aka­demie von United. Im Finale 1968 bot er eine for­mi­dable Leis­tung, stand aber sonst im Schatten von George Best oder Dennis Law. Vor allem aber war er bei schlechten Leis­tungen der Mann­schaft ein gefun­denes Bau­ern­opfer der Öffent­lich­keit, denn sein Vater wirkte eben­falls im Trai­ner­stab des Ver­eins, und man warf Aston Jr. vor, aus diesem Grund oft­mals bevor­zugt behan­delt zu werden. 1972 ging er zu Luton Town, darauf noch zu Mans­field und den Blackburn Rovers.

David Sadler

Hoch­be­gabt und variabel ein­setzbar, war David Sadler schier unver­zichtbar für die Mann­schaft. Beim Tri­umph in Wem­bley zählte Sadler mit gerade einmal 22 Jahren zur ganz jungen Gene­ra­tion, die mit dem Druck und der Geschichte erst einmal zurecht­kommen mussten. Doch Matt Busby hielt seine schüt­zende Hand sorgsam über die Frisch­linge. Seine Erin­ne­rungen schil­dert Sadler wie folgt: ​Er erklärte uns, dass wir in erster Linie Profis wären, die für die Gegen­wart spielen.“

Seit 1963 stand er im Pro­fi­kader, wech­selte 1974 zu Preston North End, wurde vier mal in den eng­li­schen Kader berufen und musste seine Kar­riere 1977 ver­let­zungs­be­dingt beenden. Heute fun­giert er als Vor­sit­zender der Man­chester United Former Players‘ Asso­cia­tion und ver­fasst eine regel­mä­ßige Kolumne für die Man­chester Evening News.