Was ist neu? Kleinere Wehwehchen hatten sie immer mal, aber dass sie jetzt in Mönchengladbach zum zweiten Mal in Folge ihre Wunden lecken müssen, kannten sie dort so jetzt auch nicht unbedingt. Aber die vergangenen eineinhalb Jahre waren für Gladbach-Fans eine echte Herausforderung. Erst die hässliche Trennung von Marco Rose, der die Gladbacher für die vermeintlich attraktivere Borussia verließ. Dann wollte es mit dem Neuen, Adi Hütter, nicht so richtig klappen. Dann machte mit Lucien Favre auch noch der Ex den Fohlen schöne Augen, nur um dann zu der Erkenntnis zu gelangen, dass er in Deutschland nicht mehr glücklich werden könne und in Frankreich ja eigentlich schon. Als wären all das nicht genug Beziehunsgdramen, zog sich auch noch Vaterfigur Max Eberl aus dem Geschäft zurück und hinterließ eine nur schwer zu füllende Leere.
Was ist so geblieben (verdammt nochmal)? Der Kader. Tatsächlich gab es im Mannschaftsgefüge von Borussia Mönchengladbach bislang wenig Bewegung. Breel Embolo, Matthias Ginter und Laszlo Benes sind die namhaftesten Abgänge. Gekommen sind neben einigen Leih-Rückkehrern bislang lediglich Oscar Fraulo und Ko Itakura. Fraulo darf als dänisches Talent von 18 Jahren getrost eher als Perspektivspieler betrachtet werden. Itakura hat in der vergangenen Saison beim FC Schalke 04 auf sich aufmerksam gemacht. So sehr sogar, dass sich Experten einig darin waren, dass es in der zweiten Liga keinen besseren Spieler als den Japaner gegeben habe. Dass jedoch ein Zweitligaspieler als bisheriger Königstransfer herhalten muss, ist dann irgendwo auch bezeichnend für die Lage von Borussia Mönchengladbach im Sommer 2022.
Was fehlt? Die bisherigen Aktivitäten auf dem Transfermarkt sind sicher auch ein Grund dafür, dass es bislang an der ganz großen Euphorie im Gladbacher Umfeld mangelt. Die angesprochenen Enttäuschungen der jüngeren Vergangenheit haben Spuren hinterlassen. Immerhin: Durch die Vorbereitung ging die Fohlenelf ohne Niederlage. Da traut sich sogar die Kommunikationsabteilung der Borussia auf der offiziellen Homepage eine „gewisse Aufbruchstimmung“ herbeizuschreiben, für die der neue Trainer Daniel Farke gesorgt habe. Das klingt natürlich soweit ganz gut.
Wenn dieser Klub ein Getränk wäre: Elotrans! Schon klar, streng genommen ist das Elektrolytpulver an sich kein Getränk, doch in Wasser aufgelöst kann das Arzneimittel nach einer durchzechten Nacht durchaus gegen das allgemeine Unwohlbefinden helfen. Anders ausgedrückt: Das Mittel erhöht die Widerstandsfähigkeit. Und das Angeberwort dafür, „Resilienz“, ist schließlich die Lieblingseigenschaft von Trainer Daniel Farke. Kaum ein Interview des 45-Jährigen kommt ohne den Begriff aus. So wie viele Feiernde derzeit übrigens wohl nicht ohne Elotrans auskommen. In zahlreichen Apotheken ist das Anti-Kater-Wundermittel ausverkauft.
Das 11FREUNDE-Orakel: Apropos Ausverkauf: Den befürchteten viele auch bei Borussia Mönchengladbach angesichts der ernüchternden letzten Spielzeit. Doch bis auf die genannten Abgänge hat sich in dieser Hinsicht nicht viel getan. Bleibt das so, könnte sich das in Verbindung mit der von Farke beschworenen Resilienz (und ein, zwei Verstärkungen) im Saisonverlauf zu einem echten Vorteil für die Gladbacher entwickeln. Als eingespielte, eingeschworene Truppe um die erfahrenen Sommer, Elvedi, Kramer, Hofmann, Hermann und Stindl wäre sportlich auf jeden Fall mehr drin als zuletzt. Beziehungsweise: Platz sechs!