Die Spieler der Borussia ver­hängten vor dem letzten Hin­run­den­spiel in Bochum ein Presse-Boy­kott gegen­über dem Kölner ​Express“. Der Boy­kott an sich ist zwar mitt­ler­weile Schnee von ges­tern, doch zumin­dest das Fan­pro­jekt der Fohlen ist nach­tra­gend.

Denn die Bou­le­vard-Zei­tung hat einen seit zehn Jahren bestehenden Ehren­kodex gebro­chen, der ein bei den Fans beliebtes Ritual betrifft: Das so genannte ​Nach­spiel“ im Fan­haus des FPMG Sup­porters Club, das jeden Dienstag statt­findet. Dabei finden sich zwei Spieler des aktu­ellen Kaders im Fan­haus ein, um sich den Fragen der Schlach­ten­bummler zu stellen. Vor dem Spiel gegen Bochum wurde diese Idylle jedoch vom ​Express“ kor­rum­piert, indem die Tages­zei­tung einen Stroh­mann zur internen Talk­runde abkom­man­dierte. Der ein­deu­tige Auf­trag: Den beiden Jung­profis Marvin Compper (21) und Tobias Levels (20) sollten kon­tro­verse Aus­sagen in Bezug auf Jupp Heyn­ckes ent­lockt werden. Und der ​Express“ hatte dabei leichtes Spiel: Immerhin legte der VfL bei der dem Talk vor­aus­ge­gan­genen Partie einen Gru­sel­kick hin – ein mageres 1:1 gegen Mainz 05.

Im Dialog mit den Fans zeigte sich Compper ob seiner Aus­wechs­lung gegen Mainz deut­lich ange­fressen. Dem Unbe­darften ent­fleuchten Sätze, wie „ Ich habe meine Aus­wechs­lung gegen Mainz nicht ver­standen. Der Trainer hat das fal­sche Zei­chen gesetzt. Erst durch die Umstel­lungen ist das Durch­ein­ander in die Mann­schaft gekommen“. Er holte gar noch weiter aus: ​Die Begrün­dung des Trai­ners, ich hätte keine Ruhe aus­ge­strahlt, kann ich nicht ver­stehen. Ich habe die linke Seite hun­dert­pro­zentig dicht gemacht. Okay, nach vorne ging nichts. Aber das ist als Abwehr­spieler ein zusätz­li­cher Bonus.“ Levels trat eine Spur mode­rater auf und sagte: ​Warum ich außen ver­tei­digt habe, konnte ich nicht so ganz ver­stehen. Ich fühle mich auf der Innen­ver­tei­diger-Posi­tion deut­lich wohler.“

Wasch­echte Maul­wurf-Affäre

Ein gefun­denes Fressen für den ​Express“, der Schlag­zeilen, wie ​Fohlen-Alarm! Compper und Levels mucken auf“ oder ​Compper gefeuert: Abmah­nung droht“ fabri­zierte. Und tat­säch­lich standen Kon­se­quenzen ins Haus. Aller­dings nur für U21-Natio­nal­spieler Compper: Er wurde vom Trai­ning frei­ge­stellt, aus dem Kader für das letzte Bun­des­li­ga­spiel in Bochum gestri­chen und erhielt zudem eine Abmah­nung. Tobias Levels hin­gegen durfte wei­ter­spielen und wurde gegen Bochum auf­ge­boten. Manager Peter Pander sagte zum Fall Levels: ​Da muss man Unter­schiede machen. Tobias ist unge­wollt in ein nega­tives Fahr­wasser geraten.“

Kon­se­quenzen gab es indes jedoch für den Express – zumin­dest zeit­weise: Einige Tage lang sprach kein Glad­bach-Spieler mit Jour­na­listen der Kölner-Zei­tung. Aber eben nur einige Tage. Denn vor­ges­tern ließ sich Mar­cell Jansen von besagter Zei­tung inter­viewen. Nach­tra­gender zeigen sich jedoch die Fans, wie Thomas Ludwig, Erster Vor­sit­zender vom Glad­ba­cher-Fan­pro­jekt, zu ver­stehen gibt: ​Der ​Express“ hat eine der wich­tigsten Ver­an­stal­tungen der Fan­szene zer­stört. Wis­sent­lich wurde zum dritten Mal ein ​Maul­wurf“ bei uns rein­ge­setzt, der dann angeb­lich ein Fan sei und den ​Express“ ange­rufen hätte. Unsinn! Wir haben mit der Mann­schaft Kon­takt auf­ge­nommen, da diese ja zuerst dachte, wir hätten selbst geplau­dert.“ Es ist nichts Neues, dass der VfL Pro­bleme mit dem Bou­le­vard hat: Schon unter der Ägide von Hans Meyer und Chris­tian Hoch­stätter wurde ein Boy­kott gegen Bild und Express ver­hängt. Gebracht hat es nichts. Ganz im Gegen­teil: Beide Zei­tungen schossen sich dar­aufhin noch mehr auf Meyer ein. Am Ende der Kam­pagne trat dieser zurück. ​Der Bou­le­vard ver­sucht seit Jahren Ver­eins-Politik zu machen, anstatt sich auf das zu kon­zen­trieren, was sie sind – Jour­na­listen. Das ist das Ekel­hafte am Bou­le­vard. In anderen Län­dern berichtet man über Sport, hier will man Macht aus­üben,“ redet sich Ludwig in Rage.

Schon seit Wochen ist auf­fällig, dass Jupp Heyn­ckes sei­tens ​Bild“ und ​Express“ sys­te­ma­tisch dis­kre­di­tiert wird. ​Wahr­schein­lich hat Heyn­ckes den glei­chen Fehler wie Hans Meyer gemacht und den Jour­na­listen klar und deut­lich gesagt, was er von ihren Fähig­keiten hält, und daher wollen sie ihn los­werden“, ver­mutet Ludwig. Als beson­ders schamlos zeichnet sich dabei vor allem der ​Express“ aus. Hierzu der Fan-Vor­sit­zende Ludwig: ​Im Gegen­satz zur ​Bild“-Zeitung ist man beim ​Express“ so dreist und zitiert öffent­lich von einer nicht auto­ri­sierten Quelle. Da sieht man das Niveau der Ver­ant­wort­li­chen. Doch diese Quelle ist nun ver­siegt. Pech gehabt!“

Aus fürs Nach­spiel

Das ​Nach­spiel“ wurde seit Mitte der 90er Jahre regel­mäßig vom Fan­pro­jekt durch­ge­führt und wurde von vielen Borussen-Fans als Insti­tu­tion geschätzt. Kein Wunder, schließ­lich bot sich die Mög­lich­keit, die Kicker in unge­zwun­gener Atmo­sphäre zu erleben. Doch das ist nun passé. Denn Grund­vor­aus­set­zung für den Plausch ist, dass keine Details aus der Talk­runde an die Öffent­lich­keit getragen werden. Der ​Express“ hat jedoch bewiesen, dass er nicht viel von dieser Ver­ein­ba­rung hält.

Ohnehin besteht am Nie­der­rhein eine beson­ders kon­zen­trierte Bou­le­vard-Land­schaft: Gleich zwei Zei­tungen für eine Stadt mit weniger als 300.000 Ein­woh­nern. Und beide lechzen nach pla­ka­tiven Schlag­zeilen. Das ist nicht selten pro­ble­ma­tisch, wie Marvin Compper und Tobias Levels am eigenen Leib erfahren mussten. Nun sind aber ins­be­son­dere die Borussen-Anhänger die leid tra­genden – sie werden künftig auf ihr Nach­spiel ver­zichten, um die Mann­schaft vor Negativ-Presse zu schützen. Immerhin sind sich die Fohlen-Fans ihrer Ver­ant­wor­tung gegen­über der Mann­schaft bewusst.