Von Ste­phan Reich

Vor Kurzem sah ich mir bei You­tube mal wieder alte Bun­des­li­ga­vi­deos an, was ein super Zeit­ver­treib ist, wenn man ein wenig Leer­lauf hat oder der Chef nicht im Raum ist oder man sich gerade vor dem Schreiben einer Kolumne drückt oder so. Viele dieser Acht­ziger- und Neun­ziger-Videos sind an sich schon ein innerer Besuch auf der Venus für mich, eines ließ mir aber beson­ders das Herz auf­gehen. An einem namen­losen Bun­des­li­ga­spieltag vor geschätzt dreißig Jahren lagen sich ein paar voll­trun­kene Werder- und Lau­tern-Fans vor dem Sta­dion in den Armen, grölten selig ​Werder und der FCK“ durch ihre Schnauz­bärte hin­durch in einen son­nigen Sams­tag­nach­mittag, anstatt sich, wie sei­ner­zeit sonst üblich, auf die Schnauze zu hauen. Dabei kle­ckerten sie abge­stan­denes Dosen­bier auf ihre spe­ckigen Kutten. Hach, dachte ich, Fuß­ball­fans, der Inbe­griff seliger Ein­fach­heit: Bier, Sonne, am Hori­zont ein Spiel und ein paar Gleich­ge­sinnte, die sonst zwar ein paar hun­dert Kilo­meter weiter und mit anderen Ver­eins­farben, aber eben mit der­selben Genüg­sam­keit durchs Leben stromern, was absolut ein Grund ist, eine Fan­freund­schaft zu starten. Es war wun­der­schön.