Adriano Leite Ribeiro war mal der beste Stürmer der Welt. Er war schneller, stärker, trick­rei­cher als seine Gegner. Wenn er Abwehr­reihen über­rannte, dann fühlte man sich als Zeuge eines Natur­er­eig­nisses. Seine Schüsse waren so hart, dass man dankbar für die Erfin­dung der Zeit­lupe war. 2005 wurde Adriano im Trikot von Inter Mai­land Welt­tor­jäger.

Sie nannten ihn ​Impe­rator“ und ​Kaiser“

Seitdem sind neun Jahre ver­gangen. Neun Jahre, in denen der einst beste Stürmer der Welt seine Kar­riere so ein­drucks­voll in den Sand gesetzt hat, dass man heute seinen Namen vor allem mit nega­tiven Schlag­worten ver­bindet: Partys, Alkohol, Strei­te­reien, Raus­würfe, Miss­erfolg. Der plötz­liche Tod seines Vaters im Jahr 2006 soll der Anfang vom Ende gewesen sein. Adriano, der einst so prä­sent die Straf­räume des Welt­fuß­balls durch­kreuzte, dass ihn seine Fans ​Impe­rator“ und ​Kaiser“ nannten, verlor die Lust am großen Spiel. Er trai­nierte zu wenig, fei­erte zu viele Partys, wurde fett, bekam ein Alko­hol­pro­blem, verlor seine so ein­drucks­volle Wucht auf dem Fuß­ball­platz. Sein letzter großer Erfolg datiert aus dem Jahr 2009. Da führte er noch einmal eine Mann­schaft mit seinen Toren zu Glanz und Gloria: Mit Fla­mengo Rio de Janeiro fei­erte er die bra­si­lia­ni­sche Meis­ter­schaft.

2010 ver­suchte es der Kaiser noch einmal in Ita­lien. Beim AS Rom schei­terte er gran­dios. Es folgten ähn­lich glück­lose Auf­tritte bei Corin­thians Sao Paulo, erneut Fla­mengo und Atle­tico Par­ana­nense. Im April 2014 schwänzte Adriano zwei Trai­nings­ein­heiten und flog raus. Der einst mäch­tigste Angreifer Bra­si­liens wurde vor die Tür gesetzt wie ein dis­zi­plin­loser Frisch­ling.

30.000 Euro ver­diente er früher an zwei Tagen

Jetzt will es Adriano noch einmal ver­su­chen. ​Zu 99 Pro­zent“ (Adriano) spielt der inzwi­schen 32-Jäh­rige dem­nächst für den fran­zö­si­schen Zweit­li­gisten AC Le Havre. Dessen frisch geba­ckener Prä­si­dent Chris­tophe Maillol hat den Deal ein­ge­fä­delt. Angeb­lich ohne großes Risiko für den Verein. Adriano soll etwa 30.000 Euro pro Monat ver­dienen. Sein Ver­trag, der zunächst für sechs Monate läuft, ist bei Fehl­ver­halten des Bra­si­lia­ners jeder­zeit kündbar.

Warum macht Adriano das? Braucht er das Geld? Hof­fent­lich nicht. Zu seinen Best­zeiten Mitte der nuller Jahre für Inter Mai­land hat Adriano 30.000 Euro an zwei Tagen ver­dient. Fran­zö­si­sche Medien ver­muten hinter dem Transfer einen PR-Coup des neuen Le Havre-Prä­si­denten. Ob ein Spieler mit dem Image von Adriano posi­tive PR ver­spricht, ist aller­dings frag­lich.