Jona­than Peters, du bist Capo der ​Ultris“ von Regio­nal­li­gist Vik­toria Berlin, stimmst also die Fan­ge­sänge an und gibst mit der Trommel den Takt vor. Du bist erst 13 Jahre alt …
… und damit wahr­schein­lich der jüngste Capo Deutsch­lands. Aber was bleibt mir anderes übrig? Es gibt sonst nie­manden, der die Zuschauer dazu bringt, das Team mit anzu­feuern. Du musst wissen: Zu Vik­toria gehen ent­weder alte Männer, fast alle so 55 bis 65 Jahre alt, mit Bier­bäu­chen und eher gemüt­lich unter­wegs. Oder Leute, die Bock auf Fuß­ball haben, aber keine Vik­toria-Fans sind. Die sind schwer zu moti­vieren. Es braucht also jemanden, der sie anbrüllt, damit Stim­mung auf­kommt. Auch wenn meine Stimme viel­leicht noch etwas piepsig ist.

Wie kam es dazu?
Mein Papa hat mich 2014 zum ersten Mal mit­ge­nommen. Das war kurz vor meinem sechsten Geburtstag: Vik­toria gegen Meu­sel­witz, damals noch im Sta­dion Lich­ter­felde, wo Vik­toria gespielt hat, bevor es in den Jahn­sport­park ging. Mit zehn Jahren habe ich mich dann zu den Ultris gestellt. Ich fing an, mir Lieder aus­zu­denken und sie anzu­stimmen.

Zum Bei­spiel?
Eins geht so: Him­mel­blaue Jungs, him­mel­blaue Jungs, wir sind alle him­mel­blaue Jungs. Oder ein anderes: Wer ist so schön und him­mel­blau? Und trägt den Namen einer Frau? Spielt heute hier und morgen da? Fuß­ball­club Vik­toria!

Die Regio­nal­ligen gelten als Pro­blem­kinder. Doch auf einer Deutsch­land­reise zeigen sie sich als fas­zi­nie­rendes Reich zwi­schen Profis und Ama­teuren, wo Fuß­ball zum Mit­ma­chen mög­lich ist.

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Hast du nicht per­ma­nent Hals­schmerzen?
Oh ja. Manchmal bleibt mir schon zur Halb­zeit die Stimme weg. Meis­tens brauche ich da erst mal ​ne Cola und ​ne Pommes, bis es wei­ter­gehen kann. Des­halb ist es sehr cool, dass die Vik­toria-Frau­en­mann­schaft mir nun ein Megafon gegeben hat. Da bin ich näm­lich auch Capo.

Fährst du auch zu Aus­wärts­spielen mit?
Natür­lich! Letzte Saison war ich zum Bei­spiel in Mün­chen bei 1860 und in Mag­de­burg. Es gibt in der Fan­szene aber noch einiges zu tun. Ich wünschte, es würden mehr Leute ins Sta­dion kommen, die Bock auf Stim­mung haben. Außerdem will ich dieses Jahr unbe­dingt noch eine Choreo orga­ni­sieren.