Herr Jan­ecek, Herr Özd­emir, können Sie uns erklären, was der FC Bun­destag ist?
Dieter Jan­ecek (Bündnis 90/​Die Grünen): Inter­es­sant ist, dass der FC Bun­destag zu Zeiten des kalten Krieges gegründet wurde, um Kon­takte zu den block­freien Staaten Finn­land, Öster­reich und Schweiz auf­zu­bauen.
Mahmut Özd­emir (SPD): Es ist die demo­kra­tischste Natio­nal­mann­schaft, die wir uns vor­stellen können. Sie setzt sich aus Mit­glie­dern der aktiven und der ver­gan­genen Wahl­pe­ri­oden zusammen. Wir spielen als Reprä­sen­tanten des Bun­des­tages und haben uns auf­grund der AfD einen Kodex gegeben, dass wir für Völ­ker­ver­stän­di­gung ein­stehen und uns gegen jeg­liche Form von Ras­sismus ein­setzen.

Und da werden die Ein­satz­zeiten dann demo­kra­tisch minu­ten­genau auf­ge­teilt?
Özd­emir: Nein, der Kapitän und der Vize­ka­pitän machen die Auf­stel­lung. Wir achten aber darauf, dass jeder zum Ein­satz kommt. Es herrscht nicht der krampf­hafte Ver­such, gewinnen zu müssen.

Wie sind sie zum Fuß­ball und in die Mann­schaft gekommen?
Özd­emir: Ich komme aus Duis­burg und bin MSV-Fan. Ich habe in dem Sta­dion Geburts­tage gefeiert und bit­tere Nie­der­lagen erlebt. Ich erin­nere mich noch daran, dass Andi Möller damals von kleinen Kin­dern bei der Ecke mit Kie­sel­steinen beworfen wurde. In den FC Bun­destag kann man als gewählter Abge­ord­neter kommen. Die neuen Abge­ord­neten melden sich beim Kapitän oder werden gezielt ange­spro­chen. Wir sind alle recht ent­spannt. Jeder der Lust hat mit­zu­ki­cken, darf sich gerne melden.

Herr Jan­ecek, Sie sind hin­gegen Fan vom FC Bayern Mün­chen und Mit­glied des Fan­clubs Ber­liner Frak­tion.
Jan­ecek: Das stimmt. Wobei ich zugeben muss, dass es in der Bun­des­liga an der Spitze zuletzt etwas lang­weilig geworden ist. Da muss man sich fast an die Nie­der­lagen erin­nern, wie das Cham­pions-League-Finale gegen Man­chester United 1999. Die Grün­dung des Fan­clubs war sehr von der CSU getrieben. Da bin ich der ein­zige Oppo­si­ti­ons­po­li­tiker. Wir schauen gemeinsam Fern­sehen und spenden für soziale Pro­jekte. Letz­tens saß ich erst mit Volker Kauder zusammen und habe das Spiel gegen Bes­iktas geguckt.

Sie sagen, dass Politik beim FC Bun­destag keine Rolle spielt. Funk­tio­niert dies wirk­lich immer? Wie ist es, wenn Sie nach einer hit­zigen Dis­kus­sion ein paar Stunden später zusammen trai­nieren?
Özd­emir: Das funk­tio­niert wirk­lich gut. Sobald die Kabine betreten wird, ist die Par­tei­mit­glied­schaft für die Zeit ver­gessen. Dann zählt nur noch: Tore schießen, gewinnen und den Gegner vom Platz fegen. Wir haben ein­fach Spaß am Kicken. Über­par­tei­lich und inter­frak­tio­nell.
Jan­ecek: Auf dem Platz sind alle gleich, und das gemein­same Fuß­ball­spielen för­dert natür­lich auch das Ver­ständnis für­ein­ander trotz unter­schied­li­cher Posi­tionen.