Es gibt zwei Bücher über Männer und Fische, die in die Welt­li­te­ratur ein­ge­gangen sind. ​Der alte Mann und das Meer“ von Ernest Hemingway und ​Dorsch­an­geln vom Boot und an den Küsten“ von Horst Hru­besch. Hemingway… und Hru­besch. Der Nobel­preis­träger.… und der Mit­tel­stürmer des HSV.

Um Horsts Werk in seiner ganzen Trag­weite zu begreifen, muss zunächst viel­leicht ein Witz erzählt werden: Ein Mann angelt. Hinter ihm steht ein anderer Mann und schaut ihm zu. Stun­den­lang. Irgend­wann fragt der angelnde Mann den zuschau­enden Mann: ​Sagen Sie mal, warum angeln Sie eigent­lich nicht selbst?“ – ​Ach, dazu fehlt mir die Geduld.“

Der Voyeur in uns

Mit der selben Hal­tung blät­tern wir nun durch Hru­beschs opus magnum. Angeln – zu lang­weilig. Aber dem Kopf­bal­lun­ge­heuer dabei zuschauen – das hat etwas, das den Voyeur in uns weckt.

So auf Seite 48, wenn ​Hotte“ in einer fein­glied­rigen Bewe­gungs­studie zeigt, wie man an der Bran­dungs­linie die Leine aus­wirft. Die Gischt peitscht, auf der Düne parkt ein Käfer, hier ist der Mann noch Mann. Oder auf Seite 96, wo wir Zeuge echter Soli­da­rität an Bord des Kut­ters werden: Hru­besch zieht, er ackert, der Anorak spannt über dem monu­men­talen Kreuz des Sturm­tanks, er ruft: ​Der Dorsch hat gehakt!“ – und spürt, dass das Untier ihn in die Tiefe zu reißen droht. Aber: ​Viele Helfer sind hin­zu­ge­eilt.“ Es geht gut, gemeinsam bergen sie das Mons­trum.

Ach, man möchte dazu gehören zu dem Pulk, der den Dorsch, von Horst tran­chiert, schließ­lich ver­speist.

Aber Angeln? Das über­lassen wir lieber Hru­besch. Und Hemingway.